Worte

 

 

Worte ins Leben

Pater Feige SJ



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Arm das Land


Arm das Land, -
das voller Reden, aber ohne Verstehen.

Arm das Land, -
das seine Stimme nicht erhebt, außer beim Begräbnis seiner Ruinen.

Arm das Land, -
dass seine neuen Führer mit Geschrei begrüßt und sie mit Hohn entlässt.

Arm das Land, -
das gespalten ist in Teile, und jeder Teil ein eigenes Land sich nennt.

Arm das Land, -
darin die Weisen schweigen und die Toren reden.

( nach Worten von Khalil Gibran )

Mensch und Sprache (Audio)


Der chinesische Philosoph Konfuzius
( 551 – 479 ) wird einmal gefragt, womit er beginnen würde, um die gesellschaftlichen Verhältnisse eines Landes zu ordnen.

Ich würde den Gebrauch der Sprache verbessern, antwortet er.

Das hat doch nichts mit unserer Frage zu tun, antworten die Leute.

Konfuzius erwidert: Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist.

Ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist, so ist das Leben der Menschen gestört.

Ist aber das Leben der Menschen gestört, so gedeiht auch das Recht nicht.

Gedeiht aber das Recht nicht, so weiss ein Volk den Weg nicht.

Also dulde niemand die Willkür des Wortes und der Sprache.

Das ist die entscheidende Orientierung, auf die alles ankommt.

Gestörte Sprache


Von Jahr zu Jahr

wird unser natürlicher Bezug zur Sprache

immer unheilvoller zerstört -

durch sinnloses Gerede,

durch bodenloses Geschreibe,

durch wahlloses Gelese.

(Martin Heidegger, Sein und Zeit)

 

Mensch und Wort


Menschliche Worte können beleben oder töten,
können ermutigen oder lähmen, -
menschliche Worte können heilen oder verwunden.

Menschliche Worte können öffnen oder verschliessen,
können befreien oder bedrängen, -
menschliche Worte können heilen oder verwunden.

Menschliche Worte können hörend machen oder taub,
können sehend machen oder blind,
menschliche Worte können heilen oder verwunden.

 

Leeres Gerede, - privat wie politisch


„Kein Schwachsinn, keine Perversion, keine noch so abwegige Marotte, die nicht lang und breit die Bildschirme besetzt hält – eine flächendeckende Volksverdummung, die die Hirne kaputtmacht.“

Wir sind rund um die Uhr von diesem Gerede belagert. Ein Ende dieses inflationären Gebarens ist nicht abzusehen.

Wenn sogenannte Gesprächs-Teilnehmer scheinbar freiwillig über intime und schmerzhafte Erfahrungen reden, so werden sie dazu verführt. Es wird ihnen vorgegaukelt, derlei Selbstent-blößung habe befreiende, ja heilsame Wirkung.

Die Moderatoren solcher Veranstaltungen verkörpern in keiner Weise eine entsprechende Qualifikation, - ja, sie verfügen nicht einmal über eine ordentliche, journalistische Ausbildung, geschweige denn über einzuhaltende, ethische Grundregeln.

Entsprechend verläuft dieses Gerede rücksichtslos, immer Privateres wird ans Licht gezerrt, immer detaillierter werden immer intimere Praktiken erörtert.

Demgegenüber sind zwar die sogenannten politischen Beiträge inhaltlich anders ausgerichtet, nicht aber im Hinblick auf das dauernde Ineinander – und Durcheinander – Gerede meist viel zu vieler Teilnehmer, die sich vor dem Bildschirm immer neu in Position zu bringen suchen, um ihre Aussage einzubringen, die aber im Dschungel der Wörter sofort untergeht.

 

Das Geschwätz (Video)

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Worte wie Waffen

 

Worte sind wie Waffen,
- sie können Wunden schlagen, Menschen vernichten.

Wie oft wird leichtsinnig, unreflektiert, eine Vermutung zur Wahrheit, ein flüchtiger Gedanke – laut ausgesprochen – zum vernichtenden Urteil über einen Menschen.

Wie oft hören wir, wenn Schaden entstanden ist: „Ja, so habe ich das nicht gemeint.“ Wer fragt dann, warum der Betreffende nicht geschwiegen oder sich klarer ausgedrückt hat, und es entsteht der Verdacht, dass sich hinter dem Schleier des scheinbaren Missverständnisses die bewusste Absicht verbirgt.

Würden wir uns die Mühe machen, den Inhalt einer Aussage zu prüfen, so würden wir oft feststellen, dass Wichtiges wegge-lassen, Belastendes oder Negatives verstärkt oder gar hinzu-gefügt wurde.

Daraus entsteht ein Konfliktfeld, welches das Miteinander der Menschen empfindlich stört. Das Resultat ist Verletzung, der Abbruch der Kommunikation, - eine vergiftete Atmosphäre.

Dazu eine Geschichte: Zum weisen Sokrates kommt aufgeregt ein Mann gelaufen und sagt: „Höre, Sokrates, ich muss dir erzählen, was dein Freund...“

„Halt ein“, unterbricht ihn Sokrates. „Hast du das, was du mir sagen willst, zuerst durch drei Siebe gegossen?“

„Drei Siebe?“ fragt der andere verwundert, „durch drei Siebe gegossen“? „Ja“, erwidert Sokrates, „durch drei Siebe. - Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch diese Siebe hindurch geht:

Das erste ist das Sieb der Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, auch geprüft, ob es wahr ist?“ „Nein, das nicht,“ antwortet der Mann, „ich hörte nur, wie andere es erzählten.“

„So, so“, - entgegnet Sokrates, - „wie steht es dann mit dem zweiten Sieb? Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, etwas Gutes?“ Zögernd sagt darauf der andere: „Nein, das nicht – im Gegenteil.“

„Dann lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden“, erwidert Sokrates, „und fragen, ob es notwendig ist, mir das zu berichten, was dich so erregt.“ „Notwendig? – Das gerade nicht“, antwortet der Mann.

„Also“, antwortet Sokrates, „wenn das, was du mir erzählen willst, weder wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lasse es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.“

 

Das eine Wort, - das treffende


Das eine Wort,
das Menschenwort: Wo es hintrifft,
verkümmert das Leben,
welken die Blumen,
verdorren die Blätter.

Das eine Wort,
das Menschenwort,
es kommt nicht zurück,
schickst du auch Wort ihm nach,
Worte in sanften Tönen.

Das Wort, das getroffen,
es trifft immer neu,
das eine Wort,
das Menschenwort.

Das heilende Wort


Warum weinst du, -

Mensch auf dieser Erde,

warum bist du starr und stumm?

Was fehlt dir zum Leben?

Fehlt dir Brot und Salz,

was entbehrst du?

Brot und Salz hab ich genug,

doch ein gutes Wort, -

das fehlt mir zum Leben.

In einem guten Wort ist Wärme

für den ganzen Menschen.

( aus dem Russisch-Mongolischen )

Schweigen, um zu hören (Video)

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Unersetzlich für den Menschen, in einer Welt von Mühen und Kämpfen, ist die heilende Kraft des Schweigens. Schweigen ist nicht die bloße Abwesenheit von Lärm, noch das Stummsein dessen, der nichts zu sagen weiß.

Schweigen ist eine Kraft aus der Tiefe der Seele, die sich dem Hören öffnet.

Schweigen birgt eine Sprache, vernehmbar dem Hörenden, der sich einlässt auf die Wurzeln dieser Tiefe. In einer Welt, die gequält ist vom Lärm der Treiber und von der Ohnmacht der Getriebenen, klafft die Wunde des Schweigens, steht der Mensch in der Not des Schweigens und auf der Flucht vor dem Schweigen:

„Lieber irgendetwas tun als schweigen und auf die Stille hören“.

Die Seele ist des Schweigens nicht mehr fähig, in dem die Kraft ihres Glaubens und ihrer Liebe sich sammelt und aus dem ihre Hoffnung entspringt.

Wer hat die Kraft, diese Not zu beenden, - die Trübung seines Lebens durch die Übung des Schweigens zu klären?

Wer hat den Mut, auszubrechen aus der Not des Lärmens und der bloßen Wörter um einzutreten in die Welt des Schweigens, in der das Leben wurzelt und fruchtet?

Die Gestalt des Schweigens


Will der Mensch zum Leben finden, so bedarf er des Raumes, bedarf er der Freiheit, um aus dem akustischen Getöse herauszutreten, das ihn umdröhnt und das er selbst erzeugt, -

herauszutreten aus dem pausenlosen Lärm, aus dem Geschrei der pausenlosen Aufforderungen, kaufe dies, besorge das, wähle den, meide jenen, geniesse das Leben, wo immer du kannst.

Der Mensch bedarf der Freiheit, um aus all dem herauszutreten, um einzutreten in den Raum des Schweigens, in dem das Reden wie das Hören erst möglich wird.

(nach Josef Pieper)

Der Klang des Schweigens (Video)

 

Wir sind so sehr verraten,
von jedem Trost entblösst.

In all den schrillen Taten
ist nichts, das uns erlöst.

Wir sind des Fingerzeigens
der plumpen Worte satt.

Wir woll’n den Klang des Schweigens,
das uns erschaffen hat.

Gewalt und Gier und Wille
der Lärmenden zerschellt.

O komm, Gestalt der Stille,
und wandle du die Welt.


(Werner Bergengruen)

Das verlorene Schweigen


Das verlorene Schweigen gib uns wieder
Lebensspur, die zwischen Menschen spriesst.

Lehre uns des Schweigens stille Lieder, -
Quelle, die aus tiefem Grunde fliesst.

Was Menschenworte sagen, ist zerstörbar,
was zu blühen wagte, das verdorrt.

Nur das Schweigen bleibet ewig hörbar,
und das Verklungene klingt ewig fort.

(nach Gedanken von Werner Bergengruen)

Schweigen, der Ursprung des Wortes


Aus dem Schweigen kommt das Wort der Befreiung,
des Trostes und der Heilung.

Es kommt zum Menschen durch die Nacht der Finsternisse und der Enttäuschungen, der Ängste und der Erschütterungen.

Das Schweigen ist der Ursprung des Wortes. –

„Gott ist das leiseste von allen“.

(R. M. Rilke)

Mensch geboren (Audio)

 


Mensch geboren, geworfen ins Leben,
beim ersten Atem schon Schmerz – umgeben.

Wo ist der Arm, der das Leben hält,
wo ist das Licht, im Dunkel der Welt?

Wo ist die Hand, die behütet und führt,
wo ist das Wort, das die Seele berührt?

Wo sind die Füsse, die helfend begleiten -
durch tiefe Schluchten, durch ortlose Weiten?

Wo ist der Mensch, der sagt voll Vertrauen:
Gut, dass du da bist, du kannst auf mich bauen.

Dies eine Wort weckt neues Leben,
ermutigt zum Gehen auf steinigen Wegen.

Dies eine Wort ist wie ein Klang,
Mensch zu werden ein Leben lang -
mit heilendem Blick auf des Lebens Wunden,
durch Schmerz und Trauer, um zu gesunden,
durch alles Dunkel bis hin zum Licht.

Hörst Du die Menschen

 

Hörst du die Menschen die nach Frieden und Freiheit rufen?

Hörst du die Qualen der Gefolterten?

Hörst du das Stöhnen der Gefangenen?

Hörst du die Verstummten?

Hörst du die Vertriebenen?

Hörst du die Menschen, die spurlos verschwunden sind?

Hörst du das Blut, das aus der Erde schreit?

Hörst du den Schrei der Toten, der aus dem Abgrund dringt?

Hörst du die Menschen, die nach Frieden und Freiheit rufen?

 

Den verlorenen nachgehen (Video)


nach Huub Oosterhuis, Auf halbem Weg, S. 36

 

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